13. November 2026 - 9. Januar 2027

FRANK VOIGT gehört zur unmittelbaren Nachkriegsgeneration. Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges prägten seine Kindheit wie der Aufbauwille und das Postulat „Nie wieder Krieg!“. In Dresden geboren, erlebte er, wie das ehemals viel besungene Elbflorenz, das in Schutt und Asche lag, aus „Ruinen auferstand“ und er öffnete sich dem „Licht der Zukunft“.
Seiner Überzeugung, dass es keine Zukunft ohne das Wissen um die Vergangenheit geben kann, ist er treu geblieben. Wen wundert es dann, dass die frühe Prägung für ein ganzes Leben ausreichen wird, um, ohne didaktischen Zeigefinger, auf die mögliche Bedrohung des Menschen , in Zeiten von kalten und heißen Kriegen hinzuweisen, darauf, dass es sich immer lohnt, Mensch zu bleiben, wenn das Wertesystem in Unordnung gerät.
Besonders nachhaltig und überaus produktiv erwies sich die Begegnung mit Wolfgang Petrovsky. Beide ergänzten sich in kongenialer Weise und wurden in der Öffentlichkeit der 80er Jahre, in der Zeit, als kulturpolitisch der Begriff von „Weite und Vielfalt“ geprägt wurde, oftmals nur noch als Zweieinigkeit wahrgenommen. Bis heute setzt sich FRANK VOIGT mit den düstersten Kapiteln deutscher Geschichte auseinander, mit Militarismus, Heroismus, Manipulation von Massen, Verrat, Rassenkunde und Rassismus, Euthanasie, Krieg und Vernichtung, mit der Ausgrenzung Andersdenkender und Fremder.
Neben der Malerei wurde die Collage wichtigstes Ausdrucksmittel, wobei eine künstlerische Beeinflussung durch die Errungenschaften eines John Heartfield’s und eines Kurt Schwitters nicht von der Hand zu weisen sind, denn sowohl Fotomontagen als auch typografische Montagen, oft in dadaistischer Manier, bestimmten nicht selten das Erscheinungsbild seiner Papierarbeiten. Historische Fundstücke, Reste von Briefen, Ausrisse von Fotografien und amtlichen Schreiben, Buchstaben und Zahlen betteten sich in ein abstrakt-expressives Gefüge von Linien, geometrisierten Formen und Farbspielen ein, die teilweise von einer tachistischen Pinselspur geprägt waren. Mit handschriftlicher Vehemenz und Eigenwilligkeit verwandelte sich der mehrschichtige Bildgrund in einem von Spuren reichen „Tat-Ort“, in dem sich Vergangenheit, Realität, Lebenserfahrung und Weltsicht, über „eigene Abgründe hinweg“ vernetzten.
Ende der 80er Jahre kam das Medium der „Mail-Art“ hinzu, eine Kunstrichtung für Künstler, um Sprachlosigkeiten und Isolationen zu überwinden. Alles, was per Post versendet werden konnte, trug gleichnishaft grenzüberschreitend den Atem von Welt in sich, ob pathetisch oder schnodderig, romantisch oder anarchistisch. Neben dem Dadaismus spielte auch die Ideologie des Surrealismus eine Rolle. Stempelbilder fanden Anwendung. Diese Postkarten beleuchteten ironisch Zeitgeist, sie waren politisch und provokant. Man hatte es gelernt zwischen den Zeilen zu lesen und mit Metaphern umzugehen. Die Gegenwartskunst strotzte vor eigenwilligster Ikonografien. Sie war voller Metaphern und Gleichnissen, dem Schatzhaus der Kulturgeschichte der Menschheit entlehnt, um auf Missstände, Verkrustungen und Verhärtungen innerhalb der sozialistischen Gesellschaft hinzuweisen. Die Kunst war Indikator einer allgemeinen Unzufriedenheit, die etwas mit dem Zustand einer massiven Bevormundung und mangelnder Ehrlichkeit zu tun hatten. Und dabei waren wir doch nach den Leitbildern eines neuen Menschen erzogen worden, in denen es keinen Platz für kleinbürgerlichen Egoismus geben sollte, wo gesellschaftliches Engagement fast mit persönlicher Selbstaufgabe verwechselt wurde. Der real-sozialistische Alltag war ein anderer.
Als nächtens die DDR als Staat implodierte und ihr wirtschaftlicher und ideologischer Bankrott zementiert wurde, als der Kapitalismus siegte, die Mauer fiel, wurde auch Dresden mit der Seeligkeit des Konsums der sozialen Marktwirtschaft überschwemmt. 1991/92 nahm FRANK VOIGT darauf in seriellen Arbeiten Bezug, die grelle Werbeslogans verarbeiteten. Die visuelle Macht von Konsumgütersignets und Trivialitätsmustern des Medienalltags kombinierte der Künstler mit persönlichen Domenten aus der „Vor-Wende-Zeit“. Die Collagen entbehrten immer mehr persönlicher Einzeichnungen. Sie wurden strenger. Persönliches wurde letztlich vollkommen eleminiert. Der Schritt zu den Streifencollagen aus Wahlkampf- und Werbeplakaten um einen Mittelpunkt herum, war nicht mehr groß. In einer Welt zunehmender Entfremdung angekommen, beschäftigte sich FRANK VOIGT Mitte der 90er Jahre mit konkret-minimalistischen Raster-Bildungen. Ein Zwischenspiel, das auch der Freundschaft mit Karl-Heinz Adler zu danken ist, um dann zu Collagen, Montagen zurück zu kehren und auch die ursprüngliche Thematik wieder aufzunehmen, der Mensch in Vergangenheit und Gegenwart: „Kopfcollagen“, „HomoGen“ – der künstliche Mensch, Faszination und Unbehagen, „Verletzungen“, „Motor-Head“– Mensch und Technik, „Die Kinder von Sonnenstein“, „WBS 70“…
Karin Weber
Information
FRANK VOIGT
„Collagen“
Eröffnung: am 12.11.2026, um 19.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 13.11.2026 – 7.1.2027
Hinweis zum Jahreswechsel
An folgenden Tagen ist die Galerie geschlossen:
- 18.11.2026 (Buß- und Bettag)
- 24.12. – 26.12.2026 (Weihnachten)
- 31.12.2026 – 2.1.2027 (Silvester, Neujahr)
Im Kabinett
MP LORENZ
„DADA-Amt für ZUFALL und Ordnung“
Collagen
Das DADA-Amt ist ein von mir entwickeltes, initiiertes und eigenständig realisiertes, internationales, partizipatives Kunstprojekt. Ich entwickle die DADA-Amt-Formulare selbst und organisiere die fortlaufende Umsetzung sowie das entstehende Archiv. Die Teilnehmer erhalten von mir entwickelte DADA-Amt-Formulare und interpretieren diese auf ihre persönliche Weise.
Das Formular bildet den Ausgangspunkt. Es gibt einen Rahmen vor, schreibt jedoch kein bestimmtes Ergebnis vor. Collagen, Fotografien, Stempel, Texte und andere experimentelle Arbeiten entstehen durch individuelle Entscheidungen, Zufall und persönliche Interpretation.
Das DFADA-Amt bewegt sich zwischen Dada, Fluxus, Mail Art und Konzeptkunst. Bürokratische Strukturen werden spielerisch in ein künstlerisches Verfahren überführt. Das scheinbar ordnende Formular wird zu einem offenen Raum für Zufall, Kreativität und individuelle Entscheidungen. Mehr als 80 Formulare sind inzwischen entstanden.
MP Lorenz
Weitere aktuelle und kommende Kunstausstellungen der Galerie MITTE Dresden finden Sie auf unserer Terminseite.

