27. Februar - 4. April

MICHAEL KLOSE malt die Suche nach der verborgenen oder sogar schon verlorenen Heimat. Er malt die Sehnsucht nach Harmonie, nach Wärme, nach Kommunikation in einer mehr und mehr erkaltenden Welt. Er malt stille Bilder, lautlos, wie in Trance, wie in einem schwebenden Zustand gehalten. Es ist eine Zwischenwelt, die uns lockt, den nebulösen Fata Morganen zu folgen, um uns neu zu entdecken. Irgendwann bemächtigte sich seiner die Farbe Blau. Es ist die Farbe des Himmels und der Transzendenz, der Unendlichkeit und der Ewigkeit, des Vertrauens, der Harmonie und der Träume, es ist die Farbe der Romantik, die Novalis mit der blauen Blume beschrieben hat. MICHAEL KLOSE handhabt die Farbe so, dass der Bildgegenstand aus dem Bildgrund wie durch eine Nebelwand hindurchscheint.
Es ist ein Zustand des noch nicht und nicht mehr, den KLOSE beschreibt, der die Phantasie des Betrachters ins Unendliche schweifen lässt. Nun kommt Farbe wieder ins Spiel. Zuerst war es ein Gelb, welches das aus sich selbst herausleuchtende Blau aufbrach. Hinzu kommt die Farbe Grün, die die natürliche Welt symbolisiert, das Leben, die Hoffnung und die Erneuerung. Er bezeichnete sich mir gegenüber als „Wiederholungstäter“, der davon überzeugt ist, dass mit der thematischen Wiederholung immer auch eine künstlerische Steigerung verbunden ist.
Berauscht von der Naturbetrachtung, entdeckte er für sich an der Ost- und Nordsee die Pleinairmalerei neu. Er war fasziniert von den atmosphärischen Stimmungen, dem Licht, den wechselnden Witterungsbedingungen und der Wiedergabe dieses intensiven Augenblicks einer vollkommenen sinnlichen Verschmelzung mit dem Gesehenen. Er hat die Tages- und Jahreszeiten demzufolge in sich aufgesogen – Wärme und Kälte, die verwirrenden Spiele des Sonnenlichts erlebt – von sengender Glut bis hin zu einem matten Abglanz – nasskalten Nieselregen, die mannigfaltig schön gebrochenen Farben von Bäumen, die Spiegelungen im Wasser und dabei das langsame, unaufhaltsam fortschreitende sich Verwandeln studiert.
Am 24. Juli 1963 geboren, beobachtete er mit 14 Jahren im sowjetischen Leningrad in einem Park einen Maler vor der Staffelei. Er war derart fasziniert von der Erscheinung, dass er es sich vornahm, es ihm gleichzutun. Er besuchte den Museumszirkel der Staatlichen Kunstsammlungen und erlernte das theoretische Rüstzeug und malte und druckte. Die Eltern rieten ihm jedoch von einem Studium der Bildenden Kunst ab. Er wählte dann zwischen einem Studium der Gemälderestaurierung und der Architektur und wurde Architekt.
Seit mehr als 2 Jahrzehnten arbeitet er an Bildern und Aquarellen in seinem Atelier in der Schokofabrik in Dresden-Johannstadt und seit 30 Jahren lebt und arbeitet MICHAEL KLOSE in Arnsdorf.
Sein Architektendasein hat er mutig an den Nagel gehängt, um sich mit Hingabe ausschließlich seiner Berufung zur Malerei zu widmen. Aus der täglichen Begegnung mit der Stadt Dresden rühren die Bilder vom Elbtal, vom Blauen Wunder, der Kuppel des Lipsius-Baus, der Yenidze, der Dampfschiffe auf der Elbe. „Mein Chopin, den ich auswendig kann, ist das Blaue Wunder“, sagte mir MICHAEL KLOSE augenzwinkernd. Er weiß genau, wo die Tauben sitzen. Er liebt die unterschiedlichen Perspektiven, das scheinbare Wirrwarr der Eisenstreben, die sich ordnen, wenn man über die Brücke fährt. Keiner hat sich dem Motiv so ausdauernd gewidmet, wie er.
Seit 2003 weilt MICHAEL KLOSE jährlich in Südtirol. Er wohnt dann in einer Baude des Kunstvereins Kortzsch bei Schlanders im Vinzschgau, gelegen in 1.550 m Höhe, mit Blick auf die Gletscherlandschaft. Seitdem hat er sich immer wieder mit dem Laaser-Gletscher befasst, hat den Rückzug der Gletscherzunge malerisch dokumentiert. Es ist nicht zu leugnen, dass sich MICHAEL KLOSE intensiv mit dem Schaffen von Monet beschäftigt hat. Er weilte in Giverny, in dessen berühmten Garten. Aber darüber hinaus war er des öfteren im Urlaub an der Müritz und zeichnete und malte Seerosen und das Wasser. Am Ortsrand von Arnsdorf, befindet sich ein Teich, dorthin führt er gerne den Familienhund hin, wenn die Seerosen üppig blühen.
Karin Weber
Information
MICHAEL KLOSE – „Reflexion“
Malerei / Zeichnung / Druckgrafik
Eröffnung: Donnerstag, 26. Februar 2026, 19:30 Uhr
Dauer: 27. Februar – 4. April 2025
Sonderveranstaltung
Samstag, 7. März 2026 – Lesung mit der Schauspielerin Annette Richter ab 17:00 Uhr
Im Kabinett
ANGELA HAMPEL „handsam“
Malerei / Zeichnung / Druckgrafik
(Jubiläumsausstellung)
Eine Legende der Antike besagt, dass erst wieder vollkommene Harmonie in der Welt herrschen wird, wenn sich Männliches und Weibliches zu einem Ganzen verbunden haben. Dieser androgyne Geist schwingt im Werk von ANGELA HAMPEL mit, in dem sie über die einfachen und schwierigen Dinge des Lebens nachsinnt. Im Labyrinth der Zeit hält sie der rationalen Welt ihre intuitive entgegen, eine Vision, dem Unsichtbaren ein Sichtbares, dem Unmöglichen immer ein Mögliches, der Sprachlosigkeit Beredtheit.
Ihr künstlerischer Anspruch ist zugleich Lebensanspruch. Dass das Bekennen oft ein Schmerzhaftes ist, hat sie selbst erfahren und mit dem vollen Einsatz ihrer Existenz verantwortet, um nicht im Nichtstun schuldig zu werden, immer auf der Suche nach einer verlorenen Spur… ANGELA HAMPEL hält die unsagbaren Dinge des Lebens fest, beredet sich mit Zerbrochenem in der Apokalypse des Alltäglichen. Wer die Arbeiten von ihr einmal gesehen hat, vergisst sie nicht wieder, vergisst nicht die Farbe im Zusammenklang mit der Linie, die Körper umreißt, die in sich den Taumel des Diesseits bergen, das ewige Rauf und Runter. Das schmerzhafte Bewusstsein der Vergeblichkeit, wird mit einem eigensinnigen Trotzdem suggestiver Bildfindungen gebrochen, in denen das Prinzip Hoffnung integriert ist. Sie stellt sich heute wie einst der erbarmungslosen Wirklichkeit. Und es scheint so, als hätten die Arbeiten den großen Atem, der über die Zeiten hinauszuweisen scheint.
1956 in Räckelwitz geboren, schloss sie eine Lehre als Forstfacharbeiterin in Kamenz ab. Schon bald tauschte sie die Motorkettensäge gegen den Pinsel aus und begann ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, dass sie 1982 mit einem Diplom abschloss. Sie blieb in Dresden. Ihr Name wurde zu einem Synonym für eine neoexpressive, künstlerische Bewegung von jungen Malerinnen und Malern, die Mitte der 80er Jahren des 20. Jahrhunderts im Osten Deutschlands bestrebt waren, mit formaler Ekstase, frei von provinzieller Biederkeit, direkt in die Auseinandersetzung mit Zeit einzugreifen und sie ist Initiatorin der Dresdner Sezession 89, der ersten Vereinigung von Künstlerinnen in der sächsischen Kunstgeschichte. Unerschrocken hat sie sich oft in das schmerzende Licht von Selbstanalysen gestellt, hat sie die Abgründe von Leidenschaften durchmessen. Ihr Werk umfasst Zeichnungen, Malereien auf Papier, Leinwand und Faltrollos, Druckgrafiken, Künstlerbücher, Jahreskalender, Künstlerplakate, spektakulär-subversive Installationen, Wandmalereien und Keramiken.
Karin Weber




