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25. Januar 2018 - 24. Februar 2018

Zur nächsten Ausstellung halten die „jungen Wilden“ Einzug in der Galerie Mitte. Die Künstler Nadja Poppe, Lucas Oertel und Robert Finke zeigen unter dem Titel „Karins neue Kleider“ aktuelle Malereien und Zeichnungen. Die Eröffnung der Ausstellung ist am 25.Januar um 19:30 Uhr in der Galerie Mitte.
Information:
Die Ausstellung kann man vom 26.Januar bis zum 24.Februar 2018 in den Räumlichkeiten der Galerie Mitte anschauen.
Rede zur Ausstellungseröffnung:
„Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich bin entzückt festzustellen, dass es möglich ist, mit einer rosafarbenen Einladungskarte Publikum zu mobilisieren. Obwohl ich nicht in Frage stellen möchte, dass die Marke „Galerie Mitte“ auch ihre eigene Anziehungskraft besitzt. Sie werden sich auch gefragt haben, was es denn nun mit meiner Kleiderordnung auf sich hat. Ich gewande mich neu, mit Arbeiten junger Künstler, die erstmals in der Galerie Mitte präsent sind. Das Märchen von „des Kaisers neue Kleider“ vergessen Sie bitte. Ich sitze zwar nun schon seit 34 Jahren auf dem Thron der Galerie Mitte, bin mir aber sicher, meine Urteilskraft nicht selbstgefälliger Eitelkeit geopfert zu haben. …“
Vor zwei Jahren habe ich mit Lucas Oertel (Jg. 1983), der mir künstlerisch aufgefallen war, über ein Ausstellungsprojekt nachgedacht und wir haben uns geeinigt, dass sich Lucas Künstlerkollegen an die Seite stellt. Seine Wahl fiel auf Nadja Poppe und Robert Finke. Alle drei sind in Sachsen geboren und haben an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert, das Studium mit einem Diplom abgeschlossen und eine Meisterschülerzeit absolviert, Lucas Oertel bei Prof. Bömmels, Nadja Poppe und Robert Finke bei Prof. Elke Hopfe, die heute Abend auch anwesend ist. Lucas Oertel und Nadja Poppe weilten während ihres Studiums für ein Jahr an der Universität La Mancha in Spanien mit einem Erasmusstipendium und Robert Finke erhielt das Sächsische Landesstipendium des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.
Ein guter Ausgangspunkt für einen guten Start in das freie Künstlerleben, das sich dann doch als „Achterbahnfahren“ immer wieder herausstellt. Die Triade der Künstler schätzt sich gegenseitig sehr und sie freuen sich, das erste Mal gemeinsam auszustellen. Nadja Poppe residiert in einem kleinen Atelierraum im Zentralwerk auf der Riesaer Straße, Lucas Oertel hat eine Bleibe mit seinen Bildern auf der Pöppelmannstraße gefunden und Robert Finke wurde Mitglied des Kaninchenzüchtervereins in Hellerau, um eine Laube zu kaufen, in der die Bilder entstehen.
Letzterer bezeichnete sich mir gegenüber als „romantischen Punk“. Er wurde am 4. Februar 1978 im Friedrichstädter Krankenhaus geboren. Es hatte geschneit und sein Vater holte ihn mit einem F5 ab. Ich war fasziniert, das so erzählt zu bekommen, als ich ihm nach seiner Biografie fragte. Robert Finke ist Maler, der das thematisiert, was um ihn herum passiert. Es sind diese kleinen alltäglichen Begebenheiten, die er zuweilen auch ironisiert und in eine leuchtende Malhaut einschreibt: sein Atelier, Gegenstände im Garten, seine Beziehungen zu Menschen, der Blick vom Balkon, immer wieder Selbstporträts, wobei comichafte Elemente auftauchen, die Linie die Farbe begleitet und ebenso mitunter erklärende Textfelder. Er provoziert und harmonisiert gleichermaßen, hat ein gutes Gefühl für Farbvaleurs, Proportionen und Perspektiven. Wir begegnen in der Ausstellung auch zwei Pin-Up-Girls, die Monatsnamen tragen. Das rührt daher, dass er seinen Steinmetzkollegen – erklärend muss ich hinzufügen, dass Robert Finke vor dem Studium der Malerei eine Steinmetzlehre absolvierte und dass er zuweilen noch in diesem Beruf arbeitet – einen anspruchsvollen Kalender zukommen lassen wollte. Gerade auf diesen Aktdarstellungen erkennt man seine Liebe zu Details, zum Ornament, um seine alltäglichen Geschichten für den Betrachter eindrucksvoll auszuschmücken. . Er hat einen unbestechlichen Blick für das Abnorme des Alltäglichen und schreckt auch nicht vor romantischer Überhöhung zurück. In virtuoser Schwermütigkeit entfaltet sich Kurioses, Monströses, Triviales mit dem er den Sinn-Charakter menschlicher Handlungen hinterfragt, die nahezu halluzinatorisch, ja zwanghaft ausgeführt werden.
Ganz Maler lässt Lucas Oertel seine Bilder in heiterer Gelassenheit, mit spielerischem Ernst, in glühenden Farbkontrasten erstrahlen, mit denen er das Medium Malerei und auch das Leben feiert. Anlass dafür, den Pinsel in die Hand zu nehmen, kann eine einzige Farbe sein, die er in allen Nuancierungen auslotet, kann ein banales Alltagserlebnis sein, dem er sich mit kindlicher Freude nähert. Manche beschreiben seine Personnage als kauzig und naiv. Ich möchte behaupten, er hat es nicht verlernt die Welt unvoreingenommen zu betrachten und hat dabei seinen eigenen, unverwechselbaren Stil gefunden „menschliche Schwächen und Stärken“ zuzulassen und mit einem Augenzwinkern, voll von „komischem Ernst“, zu reflektieren: Schicht um Schicht, tupfend, spachtelnd, Pinselstrich um Pinselstrich. Seine Personnage verliert sich mitunter in Einsamkeit und Selbstbezogenheit. Mit unwiderstehlicher Ernsthaftigkeit untersucht der Künstler Zusammenhänge zwischen dem Innen und dem Außen. Er persifliert gnadenlos Klischees, dies jedoch nicht vordergründig. Gepflegter Zweifel schadet nicht. Man spürt, dass Lucas Oertel am schalen Frieden leidet. Er ist demzufolge wahrnehmungstüchtig. Davon zeugt auch die Ahnengalerie unserer Zeitgenossen, deren Porträts auch als Halbrelief von der Wand leuchten.
Schwarz auf Weiß, Innen und Außen, Licht und Schatten, Form und Atmosphäre – und das alles ist möglich mit einer Linie, die grafische und malerische Eigenschaften in sich vereint auf den Zeichnungen von Nadja Poppe. Fasziniert, staunend und bewegt stand ich vor den dichten, gestisch-expressiven Graphitzeichnungen von einer jungen Frau, die mit unmittelbarer Selbstverständlichkeit und Unbestechlichlichkeit, kraftvoll, elementar, schwarz auf weiß Landschaften, Porträts, Fabelwesen entwickelt. Da ist kein Platz für heimatliche Enge oder romantische Stimmungen, sondern voll klingt ein lebensbejahender, kraftvoller Ton, der etwas mit ihr selber zu tun hat, mit dem inneren Bekenntnis zu ihren Wurzeln. Sie zeichnet, draußen, bei Wind und Wetter, so kann man als Technik auch Graphit und Regen oder Schnee lesen.
Schwarze, schroffe Linienwände erweisen sich auf den ersten Blick zuweilen als undurchdringlich und dann entdeckt man eine innere Lichtquelle. Es ist dieses innere Licht, das so wertvoll wird in den Schwärzen, und das die Szenerien verlebendigt und die variantenreichen Grauabstufungen ermöglicht, so dass die Arbeiten mitunter farbig wirken. Und wenn man genauer hinsieht, sich die Arbeiten genauer betrachtet, dann wird das traditionelle Sujet aufgebrochen durch eigenwillige Perspektiven, Untersichten, Draufsichten, Anschnitte. Nadja Poppe erfasst beim zeichnerischen Malen das Ursprüngliche, das Unspektakuläre, blickbegabt für das Besondere. Sie sieht dahinter, verdichtet, zeigt die Seele einer Landschaft. Voller Poesie und musikalischem Nachklang sind die Bildtitel, die Nadja Poppe erfindet.
Die neuen Kleider, denke ich, stehen mir ganz gut!
Am 4. Februar 2018, am Sonntag um 19.30 Uhr liest die Schauspielerin Hannelore Koch Geschichten, die Leben schrieb.
Karin Weber